Inspiriert von der Ständerbauweise jungsteinzeitlicher Häuser entstand das Museumsgebäude auf Basis eines Konstruktionsprinzips, das im modernen Rahmenbau heute kaum noch Anwendung findet: den Bau tragen vom Erdgeschoss bis zum Dach durchgehende Ständer. Die daraus resultierende Hallenkonstruktion ist in den Hang gebaut und außen an drei Seiten mit vertikalen, sich überlappenden Lärchenbrettern verschalt. Ein Holzanstrich schützt das Gebäude. Die Rockfarbe der lokalen Frauentracht hat hier für die charakterstarke, bordeauxviolette Farbe der Stülpschalung Pate gestanden. Dieses Bordeauxviolett ist seit 2008 auch Teil unseres Grafikdesigns.

Die Hauptfassade an der Ostseite ist großteils verglast. Die Veranda des Museumscafés im obersten Drittel der Fassade ist ein späterer Zubau. Ihre diagonal verlaufenden Glaslamellen führen das Motiv der sich überlappenden Bretter weiter. Einzig hier an der Hauptfassade lassen sich am Außenbau die zwei Stockwerke des Gebäudes deutlich erkennen. Das mit Kupferblech gedeckte Pultdach des Windfangs am Eingang korrespondiert mit der Form und Positionierung des Gebäudedaches.

Die Hallenkonstruktion umhüllt eine Rampe, die sich spiralförmig nach oben windet und symbolisch für den Weg steht, den Ötzi durch das Tal hinauf zum Tisenjoch zurückgelegt hat. Auf der dritten Ebene erreicht der Besucher fiktiv die Fundstelle des Gletschermannes in der nivalen Zone. Die hier eisgraue Bodenfarbe erinnert daran.

Im Bau kamen an vielen Orten einfache und zum Teil unkonventionelle Baumaterialien zum Einsatz. So ist z.B. die doppelte Außenwand des Gebäudes mit Rinde, Laub und anderen Naturmaterialien gedämmt.

Der von den Südtirolern Erich Erlacher und Bernhard Oberrauch 1998-2001 konzipierte und geleitete Bau transferiert über Glasflächen und mit Hilfe von Spiegeln immer wieder den Freilichtbereich und die umliegende Landschaft in den Innenraum. Besonders deutlich sichtbar wird dieser Charakterzug des Gebäudes in der Abteilung „Der Mann aus dem Eis im Einklang mit der Natur“ auf der zweiten Etage sowie im dreiseitig verglasten Museumscafé im dritten Stock. Dort unterstützt die Bestuhlung mit Gartenmöbeln aus Eisen das Verschwimmen der Grenzen zwischen Innen und Außen.

Davon, dass unser Bau innen Ähnlichkeit mit dem Neanderthalmuseum in Mettmann hat, haben wir uns bei unserem Betriebsausflug 2007 selbst überzeugt. Unsere Architekten kannten das 1996 realisierte Mettmanner Projekt des Berliner Architekten Arno Brandlhuber laut eigener Aussage nicht. Wie dem auch sei, wir, unsere Besucher und unsere Nachbarn mögen den Bau, der von der nationalen und internationalen Expertenschaft wiederholt Beachtung fand.

 

 

Literatur

  • BONIVENTO Maria Luisa (2006): Bio-salto nel tempo. In: Casa Naturale 1/2006. S. 148-153.