Wo wurde Ötzi gefunden? Wie hat er gelebt? Diese und ähnliche Fragen stellen sich die Ausstellungen im Haus und Freilichtbereich des archeoParc Schnalstal. Ähnlich wie viele archäologische Freilichtmuseen kommt die Gestaltung dabei nahezu ohne originale archäologische Fundstücke aus. Sie zeigt vielmehr getreue Nachbildungen (Repliken) sowie denkbare Rekonstruktionen und Interpretationen der Funde.


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Die Ausstellungen im Besucherzentrum

Im Juli 2017 eröffnete im archeoParc mit „Der Ötzifund“ und „Flora, Fauna, Mensch“ die zweite Ausstellungsgeneration. Sie erzählen die Fundgeschichte von Ötzi und wie er und seine Zeitgenossen vor 5.300 Jahren gelebt haben könnten. „Das Tal, in dem man Ötzi fand“ im Eingangsbereich wirft Schlaglichter auf die Geschichte des Schnalstales und „Die Fundstelle Schnals-Tisenjoch“ stellt abschließend die Felsmulde vor, in der Ötzi entdeckt wurde.

Verantwortlich für die Gestaltung des Indoor-Ausstellungsparcours zeichnen die archeoParc-Leiterin Johanna Niederkofler, Architektin Brigitte Kauntz aus Meran, Grafikdesigner Ganesh Neumair aus Lana sowie Partner aus dem In- und Ausland. Schwerpunkte der Ausstellungen bilden unter anderem Aktivareale (unten in der Liste mit // gekennzeichnet), die die Besucher zum Nachdenken über möglicherweise für immer offene Fragen einladen, und Medienstationen, deren jährlich wechselnde Inhalte sich insbesondere an vertiefend interessierte Wiederholungsbesucher richten. Neben den Standardtexten gibt es in den Ausstellungen Kompaktinformationen für eilige Besucher und einen Wort-Bild-Text in Geschichtenform für Kinder im Grundschulalter.

Führungen durch die Ausstellungen finden jeden Sonntag um 11:00 Uhr und um 15:00 Uhr statt und können außerdem für jede gewünschte Zeit gebucht werden.
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Das Tal, in dem man Ötzi fand

Wie sich das Schnalstal im Laufe der Zeiten entwickelte, erzählen fünf Nischen mit Exponaten und Texten zur örtlichen Geschichte, Archäologie und Geologie. Großformatige Landschaftsfotos mit applizierten Grafiken bilden die Nischenrückwände. Sie erinnern an die Erfahrung verträumter Blicke aus dem Fenster – und in vergangene Zeiten.

  • Pendler, Investoren, Urlauber
    // So lange ist es her seit…
  • Grundherrn, Kartäuser, Bauern
  • Hirten, Sennen, erste Siedler
  • Sammler, Boten, Jäger
  • Meere und Gletscher formen das Tal

 

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Der Ötzifund
Die Geschehnisse am 19. September 1991 und ihre Folgen

Der kleine Ausstellungsbereich stellt anhand von Exponaten und Texten die Entdeckung von Ötzi und seine Faszination für Forschung und Gesellschaft vor:

  • Der 19. September 1991
    Wie es dazu kam, dass Erika und Helmut Simon aus Nürnberg Ötzi entdeckten und warum zufällig die beiden Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner und Hans Kammerlander zwischen noch vor der Bergung am Fundort vorbeikamen erzählt der erste Teil der Ausstellung.
  • Ein außergewöhnlicher Fund an einem außergewöhnlichen Ort
    Eine Reihe von besonderen Rahmenbedingungen führten nicht nur zur natürlichen Mumifizierung von Ötzi sondern auch zur möglicherweise vollständigen Erhaltung seiner Ausrüstung über mehr als 5.000 Jahre…
    //Vor 5.300 Jahren am Tisenjoch…
  • Ungebrochene Faszination
    Bis heute beschäftigen sich Wissenschafter und Laien interessiert mit Ötzi. Wie kam es dazu? Und warum heißt Ötzi „Ötzi“?

 

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Flora, Fauna Mensch
Leben zwischen Talboden und Eisgrenze vor 5.300 Jahren

Nachbildungen einer Auswahl der rund 400 Fundstücke von Schnals-Tisenjoch bilden den Schwerpunkt der Ausstellung zum Lebensraum von Ötzi. Es geht um die Pflanzen, Tiere und Steine, die Rohstoffe für seine Kleider, Waffen und Werkzeuge lieferten, und um die steinzeitlichen Kenntnisse betreffend die Auswahl und Bearbeitung dieser Rohstoffe.

  • Tiefe Lagen
    Wo lebte Ötzi? Mehrere Gehölze, aus denen Ötzis Waffen und Werkzeuge hergestellt waren, sprechen dafür, dass Ötzis Lebensmittelpunkt in tiefen Lagen, möglicherweise im unteren Vinschgau, lag. Ein Großdiorama mit Pflanzenpräparaten aus originaler Pflanzensubstanz und mit Original-Reproduktionen zeigt, wie der Wald hier in der Zeit von Ötzi ausgesehen haben könnte.
  • Haus Hof und Garten
    Wie lebte Ötzi? Getreidereste, welche man im Magen Ötzis fand, sowie Kleider aus Leder von Haustieren lassen vermuten, dass Ötzi zu sesshaften Bauern gehörte. Wo könnte die Siedlung von Ötzi gelegen haben? Welche Kulturpflanzen wurden dort angebaut?
    //So fühlte sich Ötzis Kleidung an…
    //So groß war…
  • Mittlere Lagen
    Manche Gehölze, die Ötzi verwendete, sind sehr frostresistent und wachsen bis in mittlere Lagen. In diesem Bereich der Ausstellung sehen Sie welche Gehölze dazu gehören und wie Ötzi sie verwendete. Wie gewinnt man aus der Rinde der Birke den Kleber „Birkenteer“? Zu welchen Zwecken trug Ötzi den Baumpilz Birkenporling mit sich?
  • Hohe Lagen
    Abgesehen davon, dass Ötzi im Hochgebirge starb, zeigen Reste von Holzkohle, dass er hier war. Sie stammen von Pflanzen, die hier oberhalb der Waldgrenze vorkommen. Hat Ötzi in diesen Höhenlagen gejagt?
  • Lagerstätten in der Ferne
    Ötzi besaß ein Messer und Pfeilspitzen aus Feuerstein und eine Axt mit einer Klinge aus Kupfer. Woher hatte Ötzi den Feuerstein und das Kupfer? War die Kupferaxt ein Herrschaftszeichen ähnlich dem Zepter eines Königs?
  • Lebensformen
    Ötzi war zwischen 40 und 50 Jahren alt, er litt unter anderem an Verdauungsbeschwerden. Sein Körper war tätowiert. Wir kennen große Teile seiner Ausrüstung. Neben archäologischen Experimenten bietet die Völkerkunde mögliche Antworten. Wie stellen Sie sich Ötzis Alltag vor?
    //So lebte Ötzi…
    //So sah Ötzi aus…
    //Was Ötzi und ich gemeinsam haben…

 

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Der Fundort Schnals-Tisenjoch

Der Fundort von Ötzi liegt in einer Felsrinne direkt am Alpenhauptkamm auf 3210 m Seehöhe. Wie schwierig waren damals die Bergungsarbeiten und wie stellte man letztendlich fest, dass die Fundstelle auf italienischem und nicht auf österreichischem Staatsgebiet liegt? Hier sehen Sie ein 1:3 Modell der Felsmulde, in der Ötzi gefunden wurde.

Ambiente Paneel Blick Fundstelle Detail Screen Modell gesamt mit Leuten Modell Tafele Detail

 

alle Ebenen
Medienstationen

An wechselnden Orten entlang des Ausstellungsparcours laden Video- und Audiostationen zur Themenvertiefung ein. Experten stellen ihre aktuellen Forschungsprojekte vor, demonstrieren alte Handwerkstechniken und antworten auf Interviewfragen von Kindern:

  • Aktuelle Videostationen:
    Die Videostationen 2017/18 widmen sich den Themen Bogen schießen (Jürg Hassler), Birkenteer herstellen (Eckhard Czarnowski und Ernst Gamper), Metall gießen (Ernst Gamper und Markus Bingeli) und Feuer machen (Philipp Schraut).
  • Aktuelle Audiostationen:
    Die Edition 2018 von „Kinder fragen, Forscher antworten“ stellt folgende Themen vor:
    >Warum habt ihr Ötzi gefunden? Melanie, Delia und Moritz im Gespräch mit der Ötzifinderin Erika Simon
    >Lebten zur Zeit von Ötzi schon Menschen in den Bergen? Lena, Sophie, Sara, Janik und Simon im Gespräch mit Andreas Putzer, Archäologe, Bozen
    >Ci assomigliava Ötzi? Lena, Adan, Stefano, Marie Sophie e Rosa parlano con Albert Zink, antropologo, Eurac Research, Bolzano
  • Frühere Audiostationen:
    >2017 Wieso hat sich Ötzi erhalten? – Julia, Julian und Greta im Gespräch mit Georg Kaser, Glaziologe, Universität Innsbruck (A)
    >2017 Cosa si mangiava ai tempi di Ötzi? – Jacob, Rosa e Luca parlano con Umberto Techiatti, Archeologo, Ufficio per i beni archeologici di Bolzano
    >2017 Wie sahen die Häuser in der Steinzeit aus? – Nadia, Hannes und Peter im Gespräch mit Wulf Hein, Archäotechniker, Frankfurt (D)

 


Wechselausstellungen

Raum für kleine Sonderausstellungen: Klein aber fein. 40m² Platz stehen uns für Sonderausstellungen zur Verfügung. Hier haben wir die Möglichkeit, dem guten Drittel unserer Besucher, die öfter zu uns kommen, jährlich Neues zu zeigen und Themen rund um Ötzi und seine Zeit zu vertiefen.
Die guten Geister hinter den temporären Ausstellungen sind im Normalfall ein Gastkurator, archeoParc-Leiterin Johanna Niederkofler, ihre Assistentin Simone Bacher und der Haustechniker Siegmar Gamper.

Platz für Werke von kreativen Köpfen gibt es im archeoParc auch in der Cafeteria. Hier zeigen wir meist einmal im Jahr eine Fotoausstellung.

  • Aktuelle Sonderausstellungen:
    Die thematische Sonderausstellung 2018 widmet sich den Sekundärprodukten von Bäumen und wie die Menschen sie seit Jahrtausenden sammeln und nutzen (Juni-November). Außerdem ist eine Skizzenausstellung von Helene Lageder in der Cafeteria zu sehen.
    Mehr Informationen

 

  • Comming soon:
    2019 Fotoausstellung von Philipp Schraut
    2019 Kulturgeschichte der Bewässerung

 

  • Frühere Ausstellungen
    2017 Der älteste Schneeschuh der Welt. Gletscherarchäologie in Südtirol
    2017 Edition Aurina. Fotoausstellung von Konrad Laimer (I)
    2016 Ein Haus wie damals. Bauen mit Holz, Lehm und Reet seit 5.000 Jahren
    2016 Cimelia. Fotoausstellung von Daniela Brugger (I)
    2015 In Wort und Schrift. Sprechen und Schreiben durch die Jahrtausende
    2015 Auf der Alm. Fotoausstellung von Gianni Bodini (I)
    2015 Holz Wolle Eier. Bäuerliches Kunsthandwerk
    2014 Die Flöte. Vom Knochen zum Blech [pdf]
    2013 Reuse, Netz und Angelhaken. Kulturgeschichte der Fischerei
    2013 Am Wasser. Fotoausstellung von Alexander Alber (I)
    2013 archeoParc 2016 in Kreativmodellen (Besucherausstellung)
    2012 Spinnst du? Kulturgeschichte des Spinnens
    2012 10 Jahre archeoParc (Bilder aus dem Archiv)
    2011 Steinzeitjagd und Bogensport. Geschichte des Bogenschießens
    2011 Memoires. Fotoausstellung von Claire Artemyz (F)
    2011 Steinzeit Hautnah (Schülerausstellung)
    2010 Feuer, Fluch und Segen. Kulturgeschichte des Feuers
    2010 Zeitreise (Schülerausstellung)
    2009 Bast Binsen Brennessel. Textiles Material in der Steinzeit
    2008 Zwischenzeiten. Tätigkeiten der ersten Bauern im Jahresverlauf
    2007 Kunstausausstellung „UrKult-KULTur“ von Judith Wieser (I)2006 Sakrale Bauten. Fotoausstellung von Gianni Bodini (I)
    2006 Steinzeit entdecken (Schülerausstellung)
    2005 Kunstausstellung von Markus Joos (I)
    2004 Kulturpflanzen in den Alpen
    2003 Urmütter der Steinzeit
    2003 Ein Kleid für Ötzi (Kreativausstellung)
    2003 Bogen, Sicheln, Messer
    2002 Harte Fakten. Artefakte aus Feuerstein
    2001 Gletscher, Mythos und Oper
    2001 Knochenklang
    2001-2017 Der Mann aus dem Eis – sein Lebensraum [pdf]2000 Das Moordorf von Reute (Katharinaberg)
    1992-2001 Der Mann vom Similaun. Fotodokumentation (Wanderausstellung)

 


Sonderausstellungen aktuell

Birkenteer und Lärchenterpentin
Ausstellung zur Gewinnung und Verarbeitung von Sekundärprodukten aus dem Wald früher und heute

24. Juni bis 4. November 2018

Einladung zur Sonderausstellung 2018 im archeoParc Schnalstal “Birkenteer und Lärchenterpentin”<br/>Invito per l’inaugurazione della mostra temporanea 2018 „Pece e trementina“ all’archeoParc Val Senales

archeoParc Schnalstal

Gibt es einen Unterschied zwischen Pech, Harz und Balsam? Was ist Terpentin und wozu wird es benutzt? Und welche „Schätze“ gewann bereits Ötzi aus Rinde und Holz? Die diesjährige Sonderausstellung im archeoParc beschäftigt sich mit Sekundärprodukten von Bäumen, erklärt wie sie die Menschen seit Jahrtausenden sammeln und nutzen und wo sie noch heute zur Anwendung kommen. Sie ist in Zusammenarbeit von archeoParc Schnalstal mit Lörgetsammelern und Zeitzeugen der Region entstanden.

Kuratorin: Johanna Niederkofler
Wissenschaftlich-praktische Beratung und Mitarbeit: Mauro Jori, Michael Amort, Benno Baumgarten
Leihgeber: Museum für Volkskunde Dietenheim, Museum Brunnenburg, Dorf Tirol, Ultner Talmuseum, Naturmuseum Südtirol, Gemeinde Schnals, privat
Texte, Übersetzung und Lektorat: Johanna Niederkofler und Simone Bacher, archeoParc, Michela Caracristi, Montano, Johannes Ortner, Meran
Grafik: ganeshGraphics
Gestaltung: Johanna Niederkofler, Siegmar Gamper und Stefan Tappeiner
Geldgeber und Sponsoren: Autonome Provinz Bozen und Gemeinde Schnals

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Grafik von Helene Lageder

März bis November 2018

private, Helene Lageder

Für die diesjährige Ausstellung in der archeoParc-Cafeteria beschäftigt sich die Meraner Grafikerin und Illustratorin Helene Lageder mit dem Thema Hand. Hände, die kritzeln, handwerkeln, beten oder nichts tun… Hände, die warten. Hände im Wechselspiel von Aktivität und Passivität. Hände, die denken und Hände, die nicht denken. Lageders Arbeiten entstanden zum größten Teil an Orten, wo raumgreifende Aktivität nahezu unverfügbar ist: am Krankenbetten und in Wartesälen von Arztzimmern. Es sind die Hände von kranken und Hände von helfenden Menschen – von Menschen, denen Helene Lageder aufgrund ihres sozialen Engagements und ihrer persönlichen Krankengeschichte in den vergangenen Jahren begegnete.
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Kuratoren: Helene Lageder und Johanna Niederkofler
Druck: Idea Naturns
Gestaltung: Johanna Niederkofler und Stefan Tappeiner
Geldgeber und Sponsoren: Autonome Provinz Bozen und Gemeinde Schnals

 

 

 


Im Freilichtbereich

Im Freilichtbereich, der von der zweiten Ebene des Besucherzentrums zugänglich ist, gibt es neben neun steinzeitlichen Hausmodellen und einem Baumlehrpfad verschiedene Themenstationen sowie Areale, an denen Besucher selbst steinzeitliche Techniken ausprobieren: die Besucherwerkstatt, der Bogenschießstand und der Einbaumsteg.

Konzipiert und gestaltet wurde der Freilichtbereich in mehreren Bauphasen in Kooperation mit dem Forstinspektorat Meran (Rainald Tirler, Herbert Niederfriniger (2001) und Reinhold Kuppelwieser), freiberuflichen Agronomen und Archäotechnikern sowie mit Experten der archäologischen Fächer (Lukas Kuntner, Wulf Hein, Annaluisa Pedrotti, Raffaella Poggiani Keller, Mariadelia Bernabò-Brea, Daria Banchieri, Marco Baioni, Urs Leutzinger, Niels Schleicher, Umberto Techiatti, Paolo Bortolotti).

Ein großer Teil des Geländes besteht mit kleineren Umgestaltungen seit 2001. Die Hausgruppen „Alpentäler“ und „Poebene“ wurden 2017 und 2018/19 eröffnet.

 

Hausmodelle

Die neun jungsteinzeitlichen 1:1-Hausmodelle sind archäologischen Befunden inneralpiner Täler, der Feuchtbodensiedlungen am Bodensee und Federsee, sowie der Poebene nachempfunden und soweit wie möglich mit originalgetreuen Materialien errichtet. Manche der Häuser fungieren parallel zur didaktischen Nutzung als eine Art Praxistest für Forscher der archäologischen Fächer, sie kommen vollständig ohne den Einsatz heutiger Baustoffe aus. Im Gelände sind sie mit dem Symbol einer durchgestrichenen Schraube gekennzeichnet.

 

Hausgruppe Alpentäler

  • Haus Villanders-Plunacker
    2016
    Dieses Hausmodell samt Terrassierungsmauer entstand unter Einbezug eines archäologischen Grabungsbefundes aus Villanders im Südtiroler Eisacktal (Villanders-Plunacker, 2710 v. Chr., Rame 3): Hier sind Reste eins rechteckigen Gebäudes in Pfostenbauweise sowie einer Herdstelle und einer Trockenmauer belegt. Das archeoParc-Hausmodell mit lehmverputzter Flechtwerkwand verfügt über eine Tür aus Pappelholzbrettern, die einem ebenfalls kupferzeitlichen Fund von Zürich-Parkhaus Operà (CH) nachempfunden ist. Die Fensteröffnungen sind in Anlehnung an Lehmwand-Reste aus Brescia-San Polo entstanden.Im archeoParc heißt das Haus auch „Vorführungshaus“, hier finden die Demonstrationen zum prähistorischen Feuerschlagen statt. Ein weiteres Modell desselben Hausbefundes befindet sich im Archeoparc Villanders, ein Nachbau des Türblatts im Steinzeitpark Dithmarschen in Albersdorf (D).

  • Haus Villanuova sul Clisi-Monte Covolo
    2017
    Das Vorbild für das Hausmodell ist in Grundriss und Teilen des Bodens und der Wände am Eingang der Val Sabbia fünf Kilometer westlich des Gardasees in der Provinz Brescia erhalten (Villanuova sul Clisi-Monte Covolo, 3350-2890 v. Chr., Rame 1-2).Analog zum archäologischen Befund eines umlaufenden wenige Zentimeter tiefen Grabens ohne Spuren von tragenden Pfosten entstand hier eine leicht eingetiefte Rahmenkonstruktion, auf der der Hausboden, die Wände und das Dach ruhen (Schwellenbau). Ebenfalls dem Grabungsbefund nachempfunden sind die seitlichen Stützen, die lehmverputzte Flechtwerkwand, der Eichendielenboden und die Schotterdrainage zwischen Haus und Hang. Die Pflasterung und die Feuerstelle vor dem Haus sind am selben Fundort, aber in anderen Bauphasen dokumentiert.Die Funde von Villanuova sul Clisi-Monte Covolo verwahrt und zeigt das Museo di Gavardo. Das 1:1 Modell im archeoParc ist der erste Nachbau dieses Hausplatzes.

 

Hausgruppe Nördliches Alpenvorland

  • Häuser Arbon-Bleiche 3 (CH)
    2001 und 2017
    Diese Hausmodelle zeigen Häuser, wie sie zur Zeit von Ötzis Großeltern am schweizerischen Bodenseeufer (Arbon-Bleiche 3, 3.385 – 3.371 v. Chr., Kulturen Pfyn und Horgen) gestanden haben könnten. Der Grabungsbefund aus der Nähe von Arbon erlaubt mit seinen zahlreichen Bauholzresten Rekonstruktionsversuche wie jene im archeoParc-Freigelände:Hier sind mit nicht-entrindeten Pfosten zwei Häuser in Ständerbauweise mit einer Firstpfosten- und zwei Wandpfostenreihen entstanden. Analog zum Befund wurden Pfosten mit gegabelten und eingeschnittenen Enden verwendet sowie dünne Spaltbretter aus hauptsächlich Weißtannenholz. Die Bindungen wurden mit Manilahanfseilen ausgeführt. Die Hausböden sind hier wie am Fundort vom Untergrund abgehoben. Einem Grabungsbefund aus Robenhausen (D) nachempfunden ist die Tür des Hausmodells, welches 2001 entstanden ist. Sie ist aus einem einzigen Weißtannen-Brett gefertigt.Im archeoParc hieß dieses Haus lange Zeit die „Große Hütte“, hier fanden bis 2017 die Vorführungen zum prähistorischen Feuerschlagen statt. Ein weiterer Nachbau eines Hausplatzes von Arbon-Bleiche 3 steht im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen am Bodensee (D), die Funde aus der Grabung verwahrt und zeigt das Museum für Archäologie in Frauenfeld (CH).

 

  • Häuser Alleshausen-Grundwiesen (D)
    2001
    Die Vorbilder für die beiden Hausmodelle stammen von einer Grabung vom oberschwäbischen Federsee (Alleshausen-Grundwiesen, 3.020 und 2.700 v. Chr., Goldberg III-Gruppe): Die ca. 5x4m großen Gebäude sind in einer leichten blockbauähnlichen Prügel- und Flechtwandkonstruktion errichtet. Sie zeigen einen ungegliederten Innenraum und sind mit einer in etwa mittig angelegten Feuerstelle mit Lehmestrich versehenen. Der archäologische Befund der Referenzsiedlung lässt Spezialisierung der Bewohner auf den Flachsanbau vermuten und verweist auf ausschließlich saisonale Nutzung. Die Dächer der beiden Häuser sind unterschiedlich: Das Haus am Hang trägt wie sonst im archeoParc vielfach zu sehen ein Schindeldach aus Lärche, das Haus am Brunnen wurde versuchsweise mit Eichenrinde (Mönch und Nonne) eingedeckt. Weitere Hausnachbauten von Hausplätzen der selben Grabung gibt es im Federseemuseum in Bad Buchau (D), wo auch ein Großteil der dazugehörigen Funde ausgestellt ist.

 

 

Hausgruppe Poebene

  • Häuser Parma-Via Guidorossi
    2016-2018
    Die beiden Hausmodelle mit Rundapsis sind einem Grabungsbefund aus dem Südwesten von Parma nachempfunden (Parma-Via Guidorossi, 3310-2690 v. Chr., Rame 1-2). Sie stellen mit 14-15 m langen Mittelachsen zwar die größten Hausmodelle im archeoParc dar, interpretieren aber die kleinsten der ca. 18 in Parma-Via Guidorossi dokumentierten Grundrisse. Die Häuser sind wie am Fundort mit sehr großen, im Boden verankerten Pfosten gebaut (Pfostenbau), welche das Dach und eine Art Dachboden stützen. Im archeoParc werden die Häuser hauptsächlich als Aufenthalts- und Schlafräume für Projekttage mit Gruppen genutzt (Steinzeiterlebnistage, Ferienbetreuung). Die Hausnachbauten im archeoParc sind die ersten 1:1-Modelle von Gebäuden des Fundortes Parma-Via Guidorossi. Kleinfunde von den Hausplätzen gibt es wenige, sie werden im Museo Archeologico Nazionale di Parma verwahrt.

 

  • Haus Brescia-San Polo
    2016
    Das Hausmodell mit ovalem Grundriss basiert auf einem archäologischen Befund im Stadtgebiet von Brescia (Brescia-San Polo, 2.600 v. Chr., Glockenbecher-Kultur). Die Pfostenkonstruktion mit Lehmflechtwand ist mit Reet (Schilf) eingedeckt. Das nachgebaute Türgatter ist am Fundort Zürich-Operà (CH) dokumentiert. Die drei Fensteröffnungen in der Wand interpretieren ein Stück Lehmputz mit abgerundeter Kante im Fundgut. Die Funde von Brescia-San Polo verwahrt die Bodendenkmalpflege der Lombardei. Das im archeoParc nachgebaute Haus ist das erste 1:1-Modell eines Gebäudes des Fundortes Brescia-San Polo.

 

Weitere Themenpunkte

Kurzinformationen zu Pflanzen, Tieren und Techniken, die am Fundort von Ötzi und an anderen archäologischen Grabungen für die Kupferzeit belegt sind, finden sich im Gelände an Textstelen entlang aller drei Parcours:

  • Baumlehrpfad
    Zusammen mit Ötzi wurden Gerätschaften aus verschiedenen Materialien entdeckt. Der Großteil davon war aus Holz gefertigt: Für Beilholm, Messergriff, für Schnüre, für die Pfeile und den Bogen etc. hat Ötzi Holz von insgesamt knapp 20 verschiedenen Holzarten verwendet. Die meisten davon wachsen hier.Im Gelände sind sie mit einer stilisierten Zeichnung der Gedenkpyramide am Fundort von Ötzi markiert:
    Europäische Eibe (Taxus baccata)
    Weißkiefer (Föhre, Pinus sylvestris)
    Latsche (Legföhre, Pinus mugo)
    Lärche (Larix decidua)
    Zirbelkiefer (Arve, Pinus cembra)
    Fichte (Picea abies)
    Linde (Tilia sp.)
    Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)
    Netzblättrige Weide (Salix reticulata)
    Gemeine Birke (Betula pendula)
    Spitzahorn (Acer platanoides)
    Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia)
    Grünerle (Alnus viridis)
    Hasel (Corylus avellana)
    Schlehdorn (Schlehe, Prunus spinosa)
    Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)
    Felsenbirne (Amelanchier ovalis)
    Hartriegel (Cornus sp.)
  • Wildpflanzenlehrpfad
    Eine Auswahl an Wildkräutern, Sammler- und Färberpflanzen wachsen entlang der Wege im archeoParc-Freilichtbereich. Sie sind – bzw. werden in den kommenden Jahren – beschriftet und geben einen kleinen Einblick in die Wildpflanzenwelt vor 5.000 Jahren:
    Alle Pflanzen [pdf]
  • Archäobotanische Gärten
    Gerste und die alten Weizenarten Emmer und Einkorn wachsen auf den Schaufeldern im archeoParc. Ein weiteres Feld ist für Lein (Flachs) reserviert. Aus seinen Fasern wurden die Fäden für Kleider und Bogenschnüre gemacht.Pflanzenanbau Alpenäler
    Pflazenanbau Poebene
    Pflanzenanbau Nördliches Alpen Vorland
    Leinacker

 

  • Archäotechnischer Themenpfad
    Um die Themenkreise Nahrung, Handwerk und Mobilität geht es an den Themenpunkten des archäotechnischen Themenpfades. Aktuell gibt es im Gelände zu folgenden Themen Stelen mit Kurzinformationen:Backofen
    Mahlstein mit Läufer
    Fischteich
    Jagdfleisch
    Räucherofen
    MilchverarbeitungKupferschmelzplatz
    Lehmgruben
    KeramikbrenngrubeEinbaum

 

 


Literatur

  • NIEDERKOFLER Johanna (2013): Anglerglück von der Steinzeit bis heute. Ausstellung zur Fischereigeschichte im archeoParc Schnalstal. In: Südtiroler Fischerzeitung 3/2013. S. 14f. [Artikel online]
  • HEIN Wulf (2007): Dächer aus Eichenrindenschindeln im Praxistest. In: Mamoun FANSA et. al. (Hg.): Holz-Kultur von der Urzeit bis in die Zukunft. Ökologie und Ökonomie eines Naturrohstoffs im Spiegel der Experimentellen Archäologie, Ethnologie, Technikgeschichte und modernen Holzforschung. Tagung Oldenburg 24.-25.11 2005. Oldenburg 2007. S. 258-263.
  • PLATZGUMMER Johanna (2005): Ein Zugang zu den Themen Ernährung und Landwirtschaft in der Prähistorie am Beispiel Archeoparc Schnals. In: Annali di San Michele. Nr. 18. 2005. S. 1-23.
  • RENHART Silvia (2002): ArcheoParc Schnals – Lebensraum des Mannes aus dem Eis. Der neue Archäologiepark in Südtirol. In: Archäologie Österreichs 13/1. 2002. S. 60–62. [Artikel online]
  • RENHART Silvia (2002): ArcheoParc Schnals. Lebensraum des Mannes aus dem Eis. Südtirols erstes archäologisches Aktiv-Museum. In: Südtirol in Wort und Bild. Nr. 46-47. 2002-2003. S. 37-40.
  • RENHART Silvia (2002): Archäologisches Aktivmuseum. In: Archäologie in Deutschland 2002,4.
  • RENHART Silvia (2000): Der Mann aus dem Eis und seine Welt. Bozen 2000. S. 29-31.
  • RENHART Silvia (2000): L’uomo rimasto nel ghiaccio ed il suo mondo. Bolzano 2000. S. 29.-31.
  • RENHART Silvia (1999): Archäologiepark Schnals. In: Arunda 51. 1999. S. 159. [Artikel online]
  • RENHART Silvia (1999): Der Mann aus dem Eis (Ötzi) – Archäopark Schnals. In: Archäologie Österreichs 10/1. 1999. S. 38.